Expresspilgern in Biberegg

Wir leben in einem Ort, in dem der der Einfluss des historischen Katholizismus unübersehbar ist: Von unserer Wohnung aus sehen wir die Insel Ufenau, einem Besitz des nahegelegenen Klosters Einsiedeln. Meine übliche Laufstrecke folgt dem Jakobsweg, und unterwegs treffe ich oft auf Symbole und Wegmarken der Pilger. Man kann vom Pilgern halten, was man will, aber wenn man die vielen deutschen Pilger auf dem Holzsteg bei Hurden sieht oder an den Erfolg von Kerkelings Pilgerbestseller denkt, muss man wohl zur Kenntnis nehmen, dass Pilgern auch heute noch vielen Menschen viel bedeutet.

Jakobsweg, kurz unterhalb St. Meinrad (Etzel)

Eines der katholischen Phänomene in unserer Region sind die Loretokapellen. In der Nähe von Siebnen-Wangen, auf dem Gemeindegebiet von Tuggen, gibt es eine, an der ich manchmal beim Lauftraining vorbeikomme. Beim Biken im Toggenburg kam ich an der Loretokapelle in Lichtensteig vorbei. Und bei einer Fahrt über die Altmatt habe ich schliesslich bei Biberegg (Karte) eine weitere Loretokapelle entdeckt. – Zu dieser nun gibt es eben eine Geschichte, die mir gefällt und die heute wieder modern ist.

Loreto ist eine italienische Kleinstadt in der Nähe von Ancona. In der Basilika von Loreto befindet sich die Santa Casa. Es soll sich um das Haus handeln, in dem Maria, die Mutter von Jesus gelebt hat, und es soll im 13. Jahrhundert von Nazareth nach Loreto gebracht worden sein. Diese Santa Casa macht Loreto zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der katholischen Welt. Eine Wallfahrt nach Loreto gehörte lange Zeit zum guten Ton, und einige begüterte Pilger haben nach ihrer Rückkehr Kapellen gestiftet, welche der Santa Casa in Loreto nachempfunden sind. Besonders hervorgetan haben sich dabei die Herren Reding von Biberegg: Hug Ludwig Reding von Biberegg hat 1678 die Loretokapelle von Lichtensteig gestiftet, und 1679 baute Wolf Dietrich von Reling Biberegg die Loretokapelle Biberegg bei der Redingburg (der Gedanke, dass Hug Ludwig und Wolf Dietrich miteinander verwandt und vielleicht gemeinsam in Loreto waren, drängt sich auf).

So, und nun kommt das dicke Ende: Im Jahr 1807 entschied Papst Pius VII., dass eine Wallfahrt zur Loretokapelle Biberegg einer Wallfahrt zur Basilika in Loreto gleichgestellt sei. So heisst es in der Chronik der Ehrenkaplanei:

Es ist daher seit 1807 eine Wallfahrt nach Biberegg mit den gleichen Ablässen, Gnaden und geistigen Vorteilen verbunden wie eine Wallfahrt nach Loreto in Italien.

Das ist nun wirklich effizient, das ist die Virtualisierung der Wallfahrt! Das ist Expresspilgern; der Bauer aus der Gegend konnte ab 1807 (den Gotthardtunnel gab es noch nicht!) tagsüber kurz eine Wallfahrt nach Loreto machen und war abends wieder rechtzeitig bei den Kühen im Stall. Und während damals wohl die Effizienz, die Beschleunigung von Ablass und Gnade im Vordergrund standen, bekommt das päpstliche Privileg heute, mehr als 200 Jahre später, eine neue Bedeutung: Es unterstützt das lokale, das “low carbon footprint”-Pilgern und kommt besonders dem Ökopilger entgegen, der so mit deutlich weniger CO2 sein Seelenheil optimiert. Das sind langfristig angelegte und nachhaltige Entscheide!

Das Weihnachtsgeschenk

In gut zwei Wochen ist Weihnachten. Die einen haben keine Geschenkideen, die anderen haben keine Wünsche. Da wissen wir Abhilfe: Im Faro-Verlag hat Natalie Henseler soeben die Gipfelgeschichten veröffentlicht. Der prächtig illustrierte Bildband erklärt auf lockere Art die Namen von etwa 70 Gipfeln, darunter viele der Zürcher Hausberge. Zwar ist der Name eines Gipfels in den meisten Fällen “bloss” ein Name, aber allein seine Herkunft und seine Wandlung im Laufe der Zeit ist oft schon spannend genug. Und Natalie Henseler schafft es, mit der Namenserklärung auch Geschichten zur Bedeutung, Entdeckung oder Vermessung der Gipfel zu erzählen.

Warum gehört nun genau dieses Buch unter den Christbaum, warum nicht ein anderes der tausend Bergbücher, die jedes Jahr erscheinen? Weil 8 der 80 Aufnahmen vom Autor dieses Blogs stammen. Wenn das kein Grund ist!

Gedicht zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest

Uri Schwyz und Underwalde
Schwingfäscht Sagmähl Abderhalde
Obsi nidsi färn und hüür
Gmeindsversammlig Bundesschtür

Fasnachtschüechli Foifermocke
Underliibli Wulesocke
Salsiz Schüblig Cervelat
Pajass Pandur Böölimaa

Talerschwinge Trachte Treichle
Schäle Schilte Rose Neichle
Heidi Globi Glunggepuur
Gotthardfeschtig Rütlischwur

Hoselade Chuchitüechli
Bradwurscht Röschti Öpfelchüechli
Galtlig Guschti Muni Chue
Gufechüssi Wanderschue

Trüle Träie Seckle Gumpe
Tubakpfiffe Rösslischtumpe
Hereglobus PKZ
GC YB FCZ

Poschtscheckkonto Zähnernötli
Püürli Weggli Schoggibrötli
Tubel Tschumpel Tüpfi Totsch
Hagel Räge Günte Pflotsch

Schteibock Gämsi Muniseckel
Schternefoifi Gopferteckel
Heimatschutz und Wakkerpriis
Alperose Edelwiss!

Antilopen lügen für Sex

Ich mag gute Geschichten von unglaublichen Ereignissen, und der American Naturalist erzählt eine solche:  Die Böcke der Leierantilope lügen für Sex!

Während der Paarungszeit besetzt der Leierantilopenbock ein kleines Revier. Die brünstigen Kühe spazieren durch diese Kleinreviere und suchen sich einen ansprechenden Bock aus. Findet nun ein Bock eine Kuh attraktiv, will er sie natürlich daran hindern, sein Revier zu verlassen. Und da greift schon mal einer zur Lüge. Wie die Forscher festgestellt haben, schnauben manche Böcke in dieser Situation, wie wenn ein Raubtier (Löwe, Hyäne etc.) in der Nähe wäre und signalisieren so der Kuh, besser nicht alleine durch die Savanne zu bummeln. Und wenn ja man gerade brünstig ist und aufgrund des Raubtieralarms ohnehin nicht weg kann, warum soll man da nicht kurz ein Nümmerchen schieben im Savannengras? Es ist für die Kuh wohl besser, einmal auf einen falschen Alarm zu reagieren und in der Folge trächtig zu sein, als einen richtigen Alarm zu verpassen und in der Folge gefressen zu werden.

Und was lernen wir fürs Leben? Lügende Böcke sind nachweislich erfolgreicher als ehrliche.

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