Der Herbst geht zu Ende. Eine letzte Wanderung muss noch sein, bevor es wieder Zeit wird für die Schneeschuhe. Ich fahre mit dem ersten Zug nach Lugano und leiste mir ein Taxi nach Sonvico. Ich folge der Strasse nach Cimadera und zweige bei Pönt auf den Wanderweg ab. Dieser ist zwar auf den ersten 400 Höhenmetern eine harte Fahrstrasse, aber der lauschige Kastanien- und Buchenwald entschädigt dafür fürstlich. Einmal fiel mir eine Kastanie auf die Schulter, direkt auf den Rucksackträger. Lieber dort als auf den Kopf.
Auf der Alpe Cioascio entscheide ich mich, den Umweg über die Capanna Pairolo zu machen. Es gibt zwar direktere, nicht markierte Pfade zu den Denti della Vecchia, aber das Laub liegt so dicht, dass ich sie nicht finde. Ich erreiche die Hütte nach zwei Stunden und bin überrascht, dass sie geöffnet ist. Im Kamin brennt ein Feuer, und auf dem Tisch stehen vier hausgemachte Torten. Ich kann mich nicht entscheiden und nehme schliesslich die Apfeltorte und die Mandeltorte. Eine gute Wahl, und ein hübscher Lohn für den Umweg!
Der Bergweg führt nun durch Buchenwald und Kalkfelsen auf der Schattenseite der Sassi Palazzi und der Denti zum Passo Streccione (der Wegweiser bezeichnet den Punkt als Sasso Grande). Aussichtsreich folgt der Weg mehr oder weniger der Krete, so gut das in den zerklüfteten Felsen eben geht. Kletterer sehe ich keine, dafür schrecke ich dreimal Rehe auf.
Ich verlasse die Felsen und steige, stets der Landesgrenze entlang, zum Pian die Scagn ab. Ein kurzer Aufstieg (350 Höhenmeter auf 1 Kilometer) führt mich auf den Monte Boglia. Die Aussicht wäre gewaltig, bis weit in die Walliser und Berner Alpen, aber durch die Schleierwolken und den Dunst sehe ich sie nur noch als Konturen.
Bis zum Sasso Rosso folge ich dem markierten Bergweg. Dann nehme ich den alten und nicht mehr markierten Pfad, der in direkter Linie durch den Lurenzin nach Brè führt. Der Weg ist noch gut im Schuss (aber doch etwas schwieriger als die bisherigen Wege, eher T3) und leicht zu finden. Statt Buchen gehe ich nun durch Haselsträucher. Da und dort sieht man durch die Büsche tief hinunter zum Lago di Ceresio (so heisst der Lago di Lugano im italienischen Teil). Kurz vor Brè stosse ich wieder auf den normalen Wanderweg. Ich durchquere das malerische Brè und erreiche über eine Treppe den Monte Brè, der Bergstation der Standseilbahn nach Lugano.
Die Überschreitung der drei Gipfel ist eine recht lange Tour (ich habe dafür sieben Stunden gebraucht). Sie führt durch eine erstaunlich wilde Landschaft und wirklich schöne offene Wälder. Sie dürfte auch im Frühling, bevor das Blätterdach der Buchen zu dicht wird, sehr reizvoll sein.
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Sonvico
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Buchenwald vor Cioascio
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Rauhreif
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Wegweiser zur Hütte
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Buchenwald nach Cioascio
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Die Nacht war kalt
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Capanna Pairolo
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Bassa d’Ogé
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Kletterfelsen
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Weg zum Monte Boglia
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Blick über die Denti
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Lugano und Melide
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Monte Boglia
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Abstieg nach Brè
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Lurenzin
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Sträuchertunnel
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Kamikaze-Kastanie
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Brè
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Treppe zum Monte Brè
Eckdaten: 1400 Höhenmeter im Aufstieg, 1100 Höhenmeter im Abstieg. 7 Stunden. Schwierigkeit T2-T3 (Karte).
46.058580
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