Apps und Web-Dienste für die Reise

Auf unserer kurzen Florida-Reise waren wir selbst überrascht, wie intensiv wir heute Web-Dienste und iPhone/iPad-Apps für unsere Reiseplanung nutzen, und in welchem Ausmass damit unsere Unabhängigkeit und Selbständigkeit steigt. Einige Dienste und Apps haben uns dabei besonders überzeugt.

WLAN und 3G Verfügbarkeit

Alle Hotels, die wir während unserer Reise benutzt haben, stellen ihren Gästen gratis ein WLAN zur Verfügung. Sie sind nicht immer besonders schnell, und manchmal auch etwas mühsam (so mussten wir uns etwa im Mondrian alle paar Stunden neu am WLAN anmelden), aber immerhin gratis. Auch viele Dienstleistungsbetriebe, etwa der Flughafen Tampa oder die Starbucks Cafés, bieten freies WLAN an. Wir mussten nur selten auf 3G-Dienste zurückgreifen. Wenn wir es tun mussten, war die Abdeckung und Signalstärke stets hervorragend (Provider: AT&T).

Karten und Stadtpläne

Solange man eine WLAN-Verbindung hat, ist Google Maps natürlich die erste Wahl. Die Integration mit der Google-Suche und die Möglichkeit, sich verschiedene Routen (auch Fusswege) anzeigen zu lassen, sind wirklich hilfreich. Schade ist, dass Google Maps auf iOS-Geräten den aktuellen Massstab nicht anzeigt.

Als Offline-Karte nutze ich auf dem iPhone OffMaps 2. Das Kartenmaterial stammt von OpenStreetMaps. Ich lade mir vor der Reise die wichtigsten Stadtpläne auf mein iPhone und kann sie unterwegs ohne Verbindungskosten nutzen. OffMaps 2 ist etwas träge beim Vergrössern und Verkleinern der Karte. Die Positionierung erfolgt schnell und präzise. Die Pläne beinhalten auch georeferenzierte Listen von Restaurants, Hotels, Kinos oder Tankstellen; diese sind aber recht unvollständig.

Ausserhalb der Städte wird es schwierig, da habe ich die ideale Offline-Anwendung noch nicht gefunden. Für grossräumige Übersichten (etwa im Flugzeug) nutze ich den World Atlas HD von National Geographic. Aber qualitativ hochstehende, idealerweise topografische Karten wie etwa Swiss Map Mobile scheint es ausserhalb der Schweiz nicht zu geben.

Hotels und Restaurants

Für die Suche nach Hotels haben wir bisher oft HolidayCheck genutzt. Mit unserer Reise sind wir auf TripAdvisor umgestiegen – aus drei Gründen: TripAdvisor führt nicht nur Angaben zu Hotels, sondern auch zu Restaurants. Die iOS-Apps sind ausgereift. Und das Erfassen einer Hotelkritik geht wesentlich einfacher und schneller als bei HolidayCheck.

Neben TripAdvisor haben wir für die Suche nach guten Restaurants auch Zagat genutzt. Wenn ein Restaurant bei Zagat 23 und mehr Punkte hat, kann man sich auf den Besuch freuen. Und reservieren kann man in den USA sehr oft über OpenTable.

…und weitere Kleinigkeiten

Sonnenauf- und Untergänge sowie Mondstand: Sun n Moon.

Abflug, Ankunft, Flugzeit, Verspätungen: Flight Status.

Umrechnung von Meilen, Gallonen, Unzen usw: The Converter.

Fazit

Die Apps und Web-Dienste haben uns das Reisen sehr einfach gemacht. Man ist heute kaum mehr auf lokale Tourismus-Büros, Stadtführungen oder auf Reisebüros angewiesen, und man kann sehr kurzfristig planen und entscheiden. Diese Unabhängigkeit erkauft man allerdings mit zwei neuen Abhängigkeiten: Steckdosen und Internet-Verbindungen – aber  beides gilt heute ja schon fast als Menschenrecht.

Key West Umrundung

Key West ist ein seltsames Stück Amerika. 1982 hat sich die letzte Insel der Florida Keys als unabhängige Republik ausgerufen, den USA den Krieg erklärt und sofort kapituliert. Die rund 25’000 Einwohner von Key West haben nicht nur eine Altstadt mit wunderschönen Holzhäusern, sie haben auch Humor. Dazu gehört auch eine liberale Kultur – das Motto der Stadt ist “One Human Family”, und wenn man nachts durch die Duval Street zieht, sollte man sich nicht wundern, wenn einem vor einer Bar ein junger Mann im knappen Lederslip zuwinkt. Oder wenn das iPhone ein WLAN mit Namen “Gay and Lesbian Net” meldet.

Um die Insel herum zu rennen ist eine geradezu logische Route. Mein Lauf folgt denn auch in weiten Teilen dem Key West Half Marathon. In der Nacht hat es heftig geregnet, und die Strassen sind voller tiefen Pfützen, als ich vor unserem Hotel starte. Am Südufer der Insel renne ich gegen Osten, am Flughafen vorbei. Ich überquere den Overseas Highway und folge nun dem Nordufer der Insel gegen Westen. Nach dem alten Hafen folge ich der Truman Avenue (viele Ampeln) bis zur Duval Street und dieser zurück zum Hotel.

Der Lauf ist flach, meistens auf breiten Trottoirs, und kreuzt (ausser im Abschnitt Truman Avenue) kaum andere Strassen. Etwas zu schaffen machte mir die hohe Luftfeuchtigkeit, daran muss man sich wohl zuerst gewöhnen. Details finden sich im RunKeeper-Protokoll.

Lauf rund um die Medina von Marrakesch

Mir gefällt Marrakesch (und dort besonders das Riad Enija). Und zu einer Städtereise gehört auch auch immer ein Stadtlauf. Die Medina von Marrakesch wird in weiten Teilen von der historischen, teilweise renovierten Stadtmauer umgeben. Ein Lauf um die Medina herum drängt sich geradezu auf.

Ich beginne auf der Djema el Fna, dem Gauklerplatz, und folge der breiten Avenue Mohammed V gegen Westen. Nach etwa 1.5 km treffe ich auf die Stadtmauer und folge ihr gegen Norden, zum Bab Doukkala-Tor. Am Busbahnhof herrscht bereits Hochbetrieb, und ich hüpfe wie bei einem Geländelauf zwischen Schlaglöchern, Menschen, Mofas, Eseln und Verkaufsständen hin und her. Ich folge dem Boulevard 11 Janvier und renne durch einen kleinen Markt. Lange folge ich nun der Route des Remparts weiter nach Südosten. Ich folge der Friedhofsmauer bei Bab Ghmat und komme am Palais Royal vorbei. Durch die Kasbah und über die Rue de Bab Agnaou komme ich nach 11.5 km zurück zur Djema el Fan (Runkeeper-Protokoll).

Die Laufstrecke ist etwas ungewöhnlich, und es ist sicher von Vorteil, wenn man vorher schon mal etwas Souk-Luft geschnuppert hat. Man überholt ja nicht jeden Tag Mofas und Eselkarren, man springt ja nicht jeden Tag über streunende Hunde, es ist zwischendurch mal etwas eng zwischen vielen Menschen, und etwas staubig ist es stellenweise auch. Da und dort wird man mit einem “Allez, champion!” spontan angefeuert. Manchmal riecht es kurz nach thé à la menthe, manchmal raucht es vom Merguez-Würsten auf dem offenen Feuer, und da und dort stinkt es auch kurz und heftig. Und lange Zeit hat man das schneebedeckte Atlas-Gebirge vor Augen. Mit diesem Lauf erhält man einen spannenden Einblick in das Alltagsleben von Marrakesch – besser als mit jeder Stadtführung!

Riva del Garda – Monte Velo

Wir bereiten uns auf unseren Mountainbike-Einsatz am Gigathlon 2011 vor und fahren dazu in eine Gegend, die als Bikeparadies bekannt, mir aber neu ist: Riva del Garda. Wir übernachten im Hotel Kristal Palace. In einem Sportgeschäft kaufen wir uns einen Bikeführer des Esterbauer-Verlags und wählen die als mittelschwer beurteilte Route 10 auf den Monte Velo.

Wir fahren von Riva del Garda nach Arco und hinüber nach San Martino. Von nun an geht es nur noch bergauf. Zuerst durch Olivenhaine, an Kletterwänden vorbei, dann durch Kastanienselven. Der Ruf des Kuckucks begleitet uns durch jede Kurve! Auf einer Höhe von etwa 800m endet der Asphalt. Es geht weiter über eine grob gepflasterte Strasse, und dann beginnt der Schotter, der uns bis hinauf auf den Passo Due Sassi (ca. 1100m) und hinunter nach Monte Velo führt. Die Abfahrt nach Arco finden wir recht anstrengend. Auf der Rückfahrt machen wir in einem Strandhotel zwischen Torbole und Riva endlich eine lange Mittagspause. Und ich bekomme nach 40km und mehr als 1000 Höhenmetern endlich ein grosses, ein sehr grosses Forst-Bier.

Karte und Streckenprofil auf RunKeeper.com.

Die Gassen von Marrakech

Schöne Gassen gibt es nicht nur in Riomaggiore.

Foum Zguid – Marrakech

31. Dezember. Wir stehen früh auf und räumen das Biwak. Um halb acht kommt unser Fahrer. Er wirkt ausgeschlafen, er ist also nicht die ganze Nacht durchgefahren, sondern hat irgendwo am Wüstenrand die Nacht im Auto verbracht. Abdu und Ibrahim beladen die Zelte, die beiden Mohammed die Dromedare. Sie wandern mit ihnen zurück in die Gegend von Zagora. Wir verabschieden uns von den Mohammeds und besteigen den Wagen. Auf einer rauhen Piste erreichen wir in knapp zwei Stunden Foum Zguid, eine Kleinstadt am Atlasrand. Auf einer richtigen Strasse fahren wir nach Tazenakht, wo wir in einem Restaurant essen. Nördlich von Ouarzazate erreichen wir schliesslich wieder die N9, die uns über den Tichka-Pass zurück nach Marrakech führt.

Wir nehmen Abschied von Ibrahim. Abdu führt uns und einen Gepäckträger zum Riad Enija, einem wunderschönen Riad-Hotel im Zentrum der Medina. Hier empfangen uns unsere Frauen und nehmen uns, staubig, stachlig und olfaktorisch prekär, in die Arme. Und zum Silvesteressen erscheinen überraschend unsere tütschen Freunde! Ein königlicher Abschluss einer unvergesslichen Reise.

Dünen und noch mehr Dünen

30. Dezember, unser vierter und letzter Wandertag. Die Nacht war sehr kalt, und ich bin froh um die ersten Sonnenstrahlen um halb acht. Wir wandern über Dutzende und Hunderte von Dünen nach Nordwesten, wieder näher zum Jbel Bani. Wir merken, dass wir uns doch auf ca. 1200 Höhenmetern befinden. Ich bin nicht sicher, ob Abdu seinen besten Tag hat – er führt uns zunächst nach Südwesten, den hohen Dünen entlang, und erst nach zwei Stunden nach Nordwesten. Die Kamelführer, welche von Anfang an mehr nach Norden gingen, haben uns weit abgehängt.

Wir erreichen das Lager nach etwa vier Stunden Wanderzeit. Ruhen ist angesagt, dösen und lesen. Nach dem Nachtessen holt Ibrahim zwei kleine Handtrommeln, und die vier Berber singen uns zwei traditionelle Endloslieder. Bei ihren Tanzfesten singen die Männer einen Satz, und die Frauen singen darauf eine Antwort. Dieses Hin und Her lässt sich beliebig dehnen, und wir verstehen danach gut, warum die Berber nicht in erster Linie für ihre Musik berühmt sind.

Laabidlia

29. Dezember, dritter Tourentag. Heute, sagt Abdu, geht es in die richtige Wüste, und richtig heisst für ihn: In die Dünen. Unser Ziel ist die Laabidlia (Sklavendüne), eine grosse stehende Düne. Während Stunden wandern wir auf einer steinigen Ebene gegen Südwesten. Schon bald sehen wir die Düne in der Ferne. Es ist bewölkt und etwas windig, aber ganz angenehm zum Wandern. Abdu erzählt Berbergeschichten: Was ist der Unterschied zwischen einem Dromedar und einer Frau? Avec un dromadaire, on traverse le désert, avec une femme, on traverse la vie. Weniger poetisch ist dann die Frage, warum Berber nicht küssen beim Sex. Abdru druckst lange herum und erklärt dann, dass die Berber ihre Djellaba auch im Bett tragen; wenn also der Berbermann sich zur Berberfrau legt, muss er ihre Djellaba anheben, und beim Sex nimmt er sie dann zwischen die Zähne…

Nach etwa vier Stunden wird der Boden sandig, und wir treffen auf die ersten Dünen. Hoch sind sie nicht, vielleicht zwei Meter, aber wenn man Dutzende davon überquert, werden sie anstrengend. Ab einer Steilheit von vielleicht 25% kann man nicht mehr auf den Sand drauftreten. Man muss sich wie im Pulverschnee zuerst etwas nach unten rutschen lassen, bis er sich wieder stabilisiert.

Nach knapp sechs Stunden erreichen wir unser Biwak in der Nähe der Laabidlia-Düne. Es steht auf einer Senke zwischen zwei Dünen. Hier ist der Sand mehrmals vom Regen nass geworden, und der Boden ist genügend hart, um die Zelte aufzustellen. Unsere Mobiltelefone haben unerwartet guten GPRS Empfang. Die Betreiber des MOR IAM Netz haben irgendwo in der Wüste eine Antenne aufgestellt, weil hier manchmal auch die Rallye Dakar vorbeiführt.

Am späten Nachmittag brechen Abdu und ich zur Laabidlia-Düne auf. Wir gehen barfuss. Ich bin überrascht, wie kalt der Sand auf der Schattenseite der Dünen ist! Sand ist ein schlechter Wärmespeicher, er wird zwar schnell heiss, kühlt aber auch schnell aus. Erstaunlicherweise sind wir auf dem höchsten Punkt der Düne ganz allein. Weit unter uns sehen wir ein Biwak mit 4×4-Fahrzeugen. In der Nähe startet ein Gleitschirmflieger. Wir aber haben einen unendlichen Blick über die Düne. Abdu macht Luftsprünge vor Freude!

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